Leonard Cohen: Erotik und Spiritualität

Leonard Cohen schrieb Welthits wie Suzanne oder Halleluja. Ein alte Seele mit einer gewaltigen Ausstrahlung. Was war der tiefere Sinn seines Lebens? ...

Ich habe inzwischen eine Biografie über Leonard Cohen gelesen von der Musikjournalistin Silvy Simons und kann bestätigen, was ihr aus seelischer Sicht über Cohen gesagt habt. Dennoch möchte ich einige Punkte noch vertiefen. Leonard sagte einmal, er würde der kanadische Bob Dylan werden. Wusste seine Seele schon, was ihn in diesem Leben erwarten würde?

Die Seele, die in Leonard Cohen steckte, wusste es, und sie wusste es zugleich auch nicht. Was aus dieser Äußerung zu entnehmen war, ist zum einen seiner Persönlichkeit geschuldet, die manchmal zum Übertreiben neigte. Zum anderen aber ist es auch eine Aussage, die man durchaus dem zu schreiben kann, was alte Seelen an Vorausahnungen haben. Und so würden wir aus unserer Sicht sagen, dass die Seele, die in Leonard Cohen wohnte – da sie eine sehr alte Seele war – dem Menschen durch aus immer wieder Einblicke in sein Leben geben konnte, die für die Zukunft angedacht waren. Und aus diesem Grund kann es zu dieser Aussage gekommen sein.

Dass jemand ahnt, was auf ihn zukommt, ist nicht nur bei alten Seelen möglich. Es ist auch etwas, was Seelen dann vermögen, wenn sie für das Leben bestimmte Punkte ausgesucht haben, die sie unbedingt erreichen möchten. Es ist in etwa so, wie wenn ihr eine Reise macht und ganz bestimmte Orte aufsuchen möchtet, und euch aber für den Weg, wie ihr dort hinkommt, nicht festgelegt. So ähnlich dürft ihr euch das vorstellen, wenn Seelen einen Plan machen und ihr neues Leben innerhalb einer Inkarnation entwerfen.

Gibt es denn bei dem sehr vielseitigen und von vielen Begegnungen geprägten Leben von Leonard Cohen auch seelische Begegnungen, etwa bei seinen vielen Frauen? Wie ist es zum Beispiel mit seiner Mutter Mascha oder bei seiner ersten großen Liebe Marianne Ihden?

Wenn wir über den Bezug von Leonard Cohen zu Frauen sprechen möchten, so ist dies ein interessantes Kapitel, dass sich nicht so einfach abhandeln lässt und in dem es auch die eine oder andere seelische Verbindung gab. Jedoch ist in diesem Künstlerleben die seelische Verbindung zu Frauen gleichwohl wesentlich geringer als das, was aus dem reinen menschlich-sexuellen und erotischen Verlangen heraus geschehen ist. Auch wenn es für euch vielleicht so scheinen mag oder wenn Frauen, die mit ihm eine Liaison hatten, dies so empfunden haben mögen, so ist es doch eher so, dass die Seele Cohens hier in erster Linie noch einmal ganz neu das Verhältnis zu Frauen ertasten und erfühlen wollte.

Es ging also weniger darum, alte karmische Bindungen aufzulösen, sondern es ging darum, als alte Seele noch einmal neu alles zu erleben, was eine menschliche Inkarnation in Form eines Mannes beinhalten kann. Und dazu gehört eben auch Sexualität, Erotik, Hingabe, Beziehung zu Frauen. Und dazu gehörte aber auch auf der anderen Seite ein Erkunden dessen, was es an Angeboten gibt, um über das rein irdische sein hinaus zu treten. Und in diesem Fall reichte hier das Spektrum vom Trinken von Alkohol, der Einnahme von Tabletten und Drogen, bis hin zu religiösen und spirituellen Erfahrungen. Leonard Cohen hat seine seinen Weg und Bezug zur Welt hauptsächlich über das In-Worte-fassen dessen, was er erlebt, erspürt und erahnt hat. Es ist auch hier so, dass er alle Wege ausprobieren wollte, seine Kreativität, sein Abtauchen in ein bewusstes und unbewusstes Sein ausprobieren wollte.

Was wir an dieser Stelle noch sagen können ist, dass es aus seelischer Sicht in erster Linie darum ging, das Phänomen der Religion und der Spiritualität zu ergründen, und es noch einmal in einer gewissen freien Form zu praktizieren, wie es nun einmal in der Zeit und in dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem er inkarniert war, möglich war.

Es ist also etwas, was auch im Auftrag der Seelenfamilie stand, in der es ja darum geht, den Menschen für das spirituelle Sein zu öffnen und zu begeistern. Bei Leonard Cohen war es nun so, dass es weniger sein aktives Leben war, was auf diese Aufgabe der Seelenfamilie einzahlte, sondern das, was er mittels seiner Worte und Lieder, der Menschheit sozusagen vermacht hat.

Er hat also ein Werk hinterlassen, in das man sich hinein vertieft wie du. In diesem Werk und in seinem Leben bietet er vielfältige Ansatzpunkte, um über das nachzudenken, was ihr in eurer Sprache, Spiritualität, Religion, Transzendenz nennt, und bei dem es darum geht, hinein zu spüren in etwas, was außerhalb eurer irdischen Existenz liegt, hinein zu spüren in etwas, was euch doch ausmacht, was jedoch für den Großteil der Menschen unfassbar und unerkennbar bleibt.

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