Frage an die Quelle: Ich würde gerne von euch wissen, was für eine Seele in dieser faszinierenden, irischen Sängerin lebte, welche Aufgabe sie hatte und welche seelischen Hintergründe dieses schwere Leben hat.
Wir danken dir für diese Fragen, und in der Tat ist Sinéad O‘Connor eine sehr faszinierende und facettenreiche Persönlichkeit aus unserer Sicht. Wir möchten zunächst einmal ihr Leben noch einmal aus einer etwas ungewöhnlichen Perspektive beleuchten. Wenn sich eine Seele in ein Umfeld inkarniert, in dem es vorauszusehen ist, das es zu Misshandlungen physischer oder psychischer Art kommt, dann ist es häufig so, das dies zu einem Stück weit von der Seele in Kauf genommen wurde, um nicht zu sagen gewollt.
Mutter, Tochter, Rollentausch
So in etwa war es auch in diesem Fall, denn die Seele Sinéad, O'Connor und die Seele ihrer Mutter hatten sich verabredet, um noch einmal in diesem Leben eine Inkarnation zusammen zu gestalten. Sie hatten dies aus einem bestimmten Grund getan. Sie wollten die Mutter-Tochter-Rolle tauschen, denn sie haben schon einmal in einem in einer anderen Inkarnation als Tochter und Mutter zusammengelebt und hatten sich damals verabredet, ein weiteres Leben in sozusagen umgekehrten Rollen zu gestalten.
Was nun aber, so könnte man etwas salopp sagen, dazwischengekommen ist, ist der unglückliche Verlauf der Ehe der Mutter von Sinéad und die psychische Belastung der Mutter, woraus auch die psychischen und teilweise physischen Misshandlungen der Tochter entstanden sind.
Die Liebe einer seelischen Verbindung kann stark sein
Wenn nun, wie es auch in einem Fernsehinterview gezeigt wurde, Sinéad O‘Connor trotz alledem ihre Mutter liebte und sie zeitlebens, aber eigentlich nicht richtig wusste, wie sie diese Liebe zeigen, beziehungsweise bekunden sollte, so liegt es daran, dass die beiden in einer seelischen Verbindung eng verbunden waren. Es ist diese tiefe seelische Verbindung, die in der Tochter ruhte, die immer wieder wachgerufen wurde, die sie sich aber nicht mit dieser tiefen Seelenerkenntnis erklären konnte.
Aus diesem Grund war sie Zeit, Lebens hin- und hergerissen zwischen dem Hass und der Missachtung der Mutter und dieser tiefgreifende in Liebe, von der sie nicht genau wusste, woher sie kommt.
Gott und warum sie ihn ein Leben lang suchte
Ähnliches spielte sich in diesem Leben mit ihrer Religiosität ab. Auch hier wusste die Seele um eine tiefe Verbundenheit mit dem Allganzen, dem, was in den Religionen als Gott genannt wird. Sie war sich dessen ziemlich sicher bewusst, konnte es aber nicht in Einklang mit der erlebten Wirklichkeit bringen, nicht mit dem, was sie innerhalb der Institution katholische Kirche erfahren hatte. Sie hatte zeitlebens die Sehnsucht, den wahren Gott zu finden, war aber gleichzeitig wütend auf die Institution, die es ihrer Meinung nach den Menschen eher unmöglich machte, die göttliche Wahrheit zu finden. Dies zunächst einmal zu diesen sehr wesentlichen Punkten in ihrem Leben.
Ihr Auftrag: provozieren
Was sich die Seele für dieses Leben als Inkarnierte in Gestalt dieser irischen Sängerin vorgenommen hatte, war an den Grundfesten von Überzeugungen zu rütteln. Dies erklärt auch ihre sehr provokante Art, mit der sie viele Menschen vor den Kopf gestoßen hat, mit der sie angeeckt ist und mit der sie aber auch genau das erreicht hat, was sich die Seele vorgenommen hat, an den Grundfesten so mancher Überzeugung zu rütteln, so mancher Institution zu rütteln. Aber auch an den Grundfesten zu rütteln, dessen, was ihr Musikindustrie nennt. Denn aus diesem Grund war sie hier nicht sehr geschmeidig, ist sie auch nie zu einer Pop-Ikone geworden, die einen Hit nach dem anderen produzierte.
Sie blieb sich zeitlebens ihrer inneren Überzeugung treu und versuchte das, was sie im Inneren erlebte, was sie in der Gesellschaft erlebte, was sie im Rahmen ihrer familiären und freundschaftlichen Beziehungen erlebte, auszudrücken in ihren Liedern. Wenn ihr uns nun fragt, aus welcher Seelenfamilie, Sinéad, O'Connors Seele kommt, dann können wir diese Seelenfamilie wie folgt umschreiben.
Kunst als Auftrag der Seelenfamilie
Es ist eine Seelenfamilie, die sich im weitesten Sinne den künstlerischen Ausdrucksformen widmet und die mit ihren Seelenmitgliedern versucht, die Auswirkung von künstlerischen Ausdrucksformen auf andere Menschen und deren Ziele zu ermitteln. Das ist auch der Grund, warum Sinéad O‘Connor für ihre Aufgabe aufzurütteln, eine künstlerische Existenz gewählt hat, und so hat sie in diesem Leben diese beiden Aufträge wunderbar vereint. Sie ist früher aus dem Leben geschieden, nicht etwa, weil sie des Lebens überdrüssig war, wie man aufgrund des frühen Dahinscheidens meinen könnte, sondern weil ihre Seele im Inneren ihren Auftrag für abgeschlossen hielt.
Wenn ihr uns nun fragt, warum diese Seelen so viel erleiden oder leiden musste und trotzdem dadurch einen starken, künstlerischen Ausdruck entwickelte, so würden wir darauf folgendermaßen antworten: Wenn Kunst und Künstler, die Seele von Menschen tief berühren, so ist es häufig so, dass nicht Weniges, was sie ausdrücken, im Gesang oder anderen künstlerischen Formen, in einer gewissen Form von Leid wurzelt.
Sie hatte eine zarte Seele
Bei Sinéad O‘Connor war es ein sehr starkes Hin-und-hergerissen-sein, zwischen teilweise dem tiefen empfinden ihrer Seele, dass sie aber nicht gänzlich zu ordnen konnte, und dessen, was sie innerhalb ihres familiären Umkreises, aber auch der »Gesellschafft« erleiden musste. In ihr ruhte eine sehr zarte Seele, die immer wieder spürte, dass irgendetwas in ihrem Leben nicht stimmig ist und so immer wieder versuchte, neue Ansätze zu finden – auch mit radikalen Brüchen, sei es in religiöser Hinsicht aber auch in ihren Beziehungen. Diese Radikalität auf der einen Seite und die Sensibilität auf der anderen Seite ist das, was diese Seele Sinéad O‘Connor, was diesen Menschen so charakterisiert und ausmacht und genau aus diesen beiden Polen speist sie sich auch teilweise ihre Musik und speist sich eine Energie, die wiederum andere Menschen, die ähnliche Situationen durch machen, zutiefst berühren konnte.
Warum ihr Leben so wertvoll war für andere
O'Connor ist ein großartiges Beispiel dafür, wie die innere Zerrissenheit einer Seele andere Seelen unter der Zuhörerschaft erreichen konnte und dadurch oder damit auch ein Stück Trost spenden konnte. Ihr dürft also an diesem Beispiel sehen, dass ein Leben, in dem Leid von außen betrachtet, eine sehr große Rolle spielt, einen sehr großen Wert haben kann für andere Menschen, und so ist es auch jetzt noch so, dass ganz viele Menschen fasziniert sind von der Ausdruckskraft dieser Stimme, und sie können sich über den physischen Tod hinaus von ihr berühren lassen und Trost und Hilfe finden. Das ist das, was wir aus unserer Sicht zunächst zu O'Connor sagen möchten.«